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Mogelpackung beim Mehl (die 2te)

Weizen Mehl Typ 405 ist das gebräuchlichste Haushaltsmehl. Anlass genug, die Handelspraxis bei den großen Lebensmitteldiscountern zu hinterfragen.

In einem verdeckten Test im Oktober 2018 hatten wir in Niedersachsen Erstaunliches festgestellt, und nunmehr nochmal bestätigt.


1. Preiszufall beim Weizenmehl 405?

Der Trend vom Oktober herrscht weiter vor. Bis auf Aldi-Nord, scheint weiterhin große Einigkeit beim Mehlpreis zu herrschen. Und das, obwohl es sich bei den Mehlen um verschiedene Hersteller handeln müsste; die Inhaltsangaben sind jedenfalls unterschiedlich.
Trotzdem einheitliche Endpreise bei den großen Anbietern? Wir vermissen nach wie vor den Wettbewerb.


2. Wie viel ist drin?

Auch bei unserer jetzigen Stichprobe müsste die Frage eher lauten: wie wenig ist drin? Wir haben noch einmal jeweils 10 Stichproben im Abstand von je zwei Werktagen gemacht. Im Ergebnis waren inklusive der Verpackung:

über 1000 g 36,67 %
985 - 999 g 43,33 %
970 - 984 g 18,89 %
unter 970 g 1,11 %


Insgesamt betrugen die Füllmenge unserer Stichproben inklusive Verpackung im Schnitt lediglich 994,37 Gramm.


3. Zufall oder Methode?

Es ist zu beachten, dass laut Fertigverpackungsverordnung Abweichungen beim Gewicht zulässig sind.

Bei der Herstellung darf die Nennfüllmenge im Produktionsmittel (einer Charge) nicht unterschritten werden, und bei der einzelnen Verpackung (bei 1000g) nicht mehr als 15g unterschreiten.

Bis zu 2 % der Charge dürfen auch größere Abweichungen aufweisen, und einzelne Packungen dürfen, zum Zeitpunkt des erstens in Verkehrsbringens, (bei 1000g) bis zu 30g Minusabweichung haben.

Soweit die Theorie, die sich aber leider gar nicht mit der Erfahrung aus unseren Stichproben deckt, bei denen (um die Verpackung bereinigt) lediglich knapp 13 % 1000g und mehr Gewicht erreichten - sprich ca. 87 % hatten weniger Inhalt.

Eigentlich gilt, dass eine Charge im Mittel die Nennfüllmenge einhalten muss, d.h., wenn bei den einen Packungen zu wenig drin ist, muss das Ganze bei entsprechend vielen anderen Packungen durch Mehrmengen ausgeglichen sein. Wir haben natürlich keine ganzen Chargen durchgemessen, sondern punktuelle Stichproben genommen. Die Abweichungen sind unserer Ansicht nach trotzdem bedenklich.

Der Handel erklärt das Phänomen, warum trotz korrekter Abfüllung beim Hersteller, in den meisten Packungen später weniger drin ist, als drauf steht. Die Mindermengen werden mit der "natürlichen Austrocknung" nach dem Mahlvorgang erklärt. Wir halten das allerdings schlicht für eine dumme Ausrede, denn:

a. Wie allgemein bekannt, ist die Lagerhaltung mittlerweile "auf die Straße" verlegt, d.h., die Ware kommt direkt - oder mit maximal einer kurzen Zwischenstation - vom Hersteller in den Laden.

b. Erfahrungsgemäß werden die Regalbestände der gebräuchlichsten Lebensmittel, auf Grund des hohen Durchsatzes in sehr kurzen Zeitintervallen aufgefüllt.

c. Bei den großen Lebensmitteldiscountern herrscht eine mindestens normale, auf Grund der vielen Menschen sogar eher erhöhte Luftfeuchtigkeit.

Das bedeutet Mehl wird also nach der Herstellung zeitnah in den Handel gebracht und dort auch zeitnah verkauft. Damit bleibt kaum Zeit, um zu so gewaltigen Austrocknungen zu kommen, die derartige Abweichungen von den Produktionsmengen erklären könnten.


4. Fazit

Weizenmehl vom Typ 405 ist das gebräuchlichste Backmehl und wird in großen Mengen in Fertigpackungen verkauft. Bei unseren Stichproben waren (bereinigt um das Verpackungsgewicht) ca. 85 % unter der angegebenen Nennfüllmenge.

Die enorme Abweichung lässt sich allein mit dem Argument der nachträglichen Austrocknung im Handel nicht erklären. Ob das Ganze nun Zufall oder Methode ist? Wir sehen Anlass zu weiteren Tests gegeben.


Generelles zum Weizenmehl Typ 405

Weizenmehl Typ 405 weist als hellstes Handels-Weizenmehl im Gegensatz zu anderen Mehltypen den geringsten Mineralstoffwert auf. Es ist ein glattes Mehl mit hohem Feinheitsgrad. Es ist ideal zum Backen, da der Klebeeiweißgehalt im Mehlkörper als Bindemittel dient.

Bei diesem Mehltyp wird nur der Mehlkörper und der Keimling des Kornes weiter verarbeitet, alle anderen Schichten des Weizenkornes werden beim Mahlen abgetragen.

Das Mehl enthält weniger Ballast- oder Mineralstoffe, dafür aber einen hohen Anteil an Stärke, Eiweiß und Kohlehydraten. Es beinhaltet kaum Geschmacksstoffe und besitzt daher wenig Eigengeschmack.

Das Mehl sollte immer trocken und verschlossen gelagert werden, damit es nicht zu Schädling- oder Schimmelbefall kommen kann. Allerdings sollte nicht unter Luftabschluss (Plastiktüte) gelagert werden und nicht neben stark riechenden Substanzen wie z.B. Kaffee oder Essig, da das Mehl besonders anfällig für Fremdgerüchte ist.

Zusatzstoffe aus chemischen Bindungen, sowie Bleichen oder Färben sind verboten. Allerdings wird dem Weizenmehl oft Ascorbinsäure beigesetzt, um die Kleberstrukturen zu verbessern.