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Wie legal sind Filehoster?

Gewusst wo – wenn man nur die richtigen Seiten kennt, kann man im Internet alles finden und herunterladen: Filme, Musik, Computerspiele. Auf Filehostern (auch Sharehoster oder One-Clickhoster genannt) lagern terrybyte-weise Daten – nicht alle davon legal. Sowohl beim Download als auch beim Upload darf man nur Dateien nutzen, für die man die Rechte hat.

Filehoster, One-Click-Hoster, Sharehoster – verschiedene Bezeichnungen für Online-Angebote zum Hochladen von Dateien. Man kann sie nutzen um größere Dateien hochzuladen, um von verschiedenen Orten darauf Zugriff zu haben oder um sie mit anderen zu teilen. So können etwa Grafik-Agenturen Filehoster nutzen, um ihren Kunden neue Entwürfe zukommen zu lassen. An sich eine ganz nützliche und harmlose Dienstleistung – trotzdem sind die Firmen, die diesen Service anbieten, immer wieder in der Presse.

Zuletzt war das der Online-Dienst Megaupload, gegen den vom US-amerikanischen Justizministerium Anklage erhoben wurde und sieben Personen verhaftet wurden, darunter auch der umstrittene deutsche Internet-Unternehmer Kim Dotcom (alias Kim Schmitz). Während Megaupload behauptet, dass der Großteil der Daten auf ihren Servern legitim sei, geht das US-Justizministerium davon aus, dass Rechteinhaber mit über 500 Millionen Dollar geschädigt worden wären. Auch Rapidshare, ein anderer großer Anbieter, wurde verschiedentlich verklagt. Allerdings sind nicht alle Prozesse im Sinne der Rechteinhaber ausgegangen.

Filehoster werden oft mit Tauschbörsen verglichen. Und in der Tat kann man auch über Filehoster die neusten Hollywood-Filme, aktuelle Fernsehserien und Computerspiele finden. Das liegt vielfach an der relativen Anonymität, die Filehoster versprechen: Man muss sich nicht anmelden und kann einfach und ohne die Installation weiterer Programme direkt aus dem Web-Browser hochladen.

Die Unternehmen finanzieren sich über Werbung und über Premium-Zugänge, die angemeldeten Nutzern schnellere und komfortablere Zugänge bereitstellen. Dafür geben diese allerdings ihre Anonymität auf, da sie mindestens die Zahlungsdaten angeben müssen.

Kostenlos oder bezahlt – Unterschiede im Service

Viele Nutzer von Filehostern fragen sich angesichts dieser Schlagzeilen, ob es legal ist, diese Angebote zu benutzen. Schließlich handelt es sich um ganz „normale“ Webseiten, auf denen man sich nicht anmelden und keine Extra-Programme installieren muss. Man lädt eine Datei hoch und bekommt eine eindeutige Webadresse – eine URL – unter der die Datei zur Verfügung steht. Diese Adresse kann man dann nutzen und beispielsweise über E-Mail anderen mitteilen oder sie in Foren oder Weblogs veröffentlichen. Mit wenigen Klicks kann die Datei dann weltweit heruntergeladen werden.  

Oft ist die Größe der Dateien für normale Nutzer begrenzt, wenn sie den Service kostenlos nutzen wollen. Die Unternehmen verkaufen zusätzlich Premium-Zugänge, die diesen Einschränkungen nicht unterliegen. Auch beim Download hat man mit Premium-Zugang bessere Karten.

Nicht-registrierte Nutzer etwa müssen eine Weile warten, bevor sie mit dem Herunterladen anfangen dürfen, die Download-Geschwindigkeit ist niedriger und außerdem können sie in der Regel nicht unendlich viele Daten herunterladen, sondern müssen nach einem abgeschlossenen Download eine Zwangspause von 15 Minuten bis hin zu einer Stunde einlegen – je nach Dienst länger oder kürzer.

Wofür darf ich Filehoster benutzen?

Die Frage aber bleibt: Ist die Nutzung von Filehostern erlaubt? Wie so oft bei urheberrechtlichen Fragen, lautet die Antwort „Kommt darauf an“. Nämlich darauf, was man damit macht. Die Nutzung solcher Dienste ist jedenfalls nicht an sich verboten.

Um zu klären, was erlaubt ist und was nicht, muss man zunächst zwischen Upload und Download unterscheiden. Denn ein technischer Unterschied zwischen Tauschbörsen und Filehostern ist, dass beim Filehosting Hoch- und Herunterladen zwei komplett von einander getrennte Bereiche sind.

Bei Tauschbörsen, deren Nutzung die Installation spezieller Programme voraussetzt (BitTorrent, µTorrent, ...), stellt man in der Regel nämlich zeitgleich mit dem Download die Filme oder Musikstücke anderen Nutzern zur Verfügung. Wenn man das nicht will, muss man diese Funktion explizit ausschalten, was in der Regel extrem verminderte Download-Geschwindigkeiten zur Folge hat. Bei Filehostern dagegen muss man sich bewusst entscheiden, eine Datei hochzuladen.

Upload

Wenn man Dateien – seien es Filme, Musik, Programme oder Computerspiele – im Internet verfügbar machen möchte, sie also auf einem öffentlich zugänglichen Server veröffentlichen will, dann muss man die dafür erforderlichen Rechte haben. Diese hat man zum Beispiel dann, wenn man selbst der Urheber ist, also eigene Filme, Texte, Programme oder Musikstücke hochlädt.

Außerdem können Urheber ihre Werke frei zur Verfügung stellen und erlauben, dass jeder unter bestimmten Bedingungen die Musikstücke oder Filme weiterverbreiten darf. So ist es beispielsweise erlaubt, Werke, die als „Open Content“ (zum Beispiel unter einer Creative-Commons-Lizenz) freigegeben sind, ins Internet zu stellen. Ebenfalls nutzen darf man gemeinfreie Werke, deren Urheber länger als 70 Jahre tot sind. In diesen Fällen ist der Upload auf Filehoster unproblematisch.

Aber auch das Hochladen von Werken, die nicht als Open Content lizenziert oder gemeinfrei sind, kann unter Umständen legal sein: Wenn man nämlich die Daten nur mit einzelnen Personen aus dem engsten Freundes- und Familienkreis teilt. Dann würde die Nutzung unter die Privatkopie-Regelung fallen. Das ist aber an einige Bedingungen geknüpft: So darf man fürs Kopieren keine Kopiersperren umgangen haben, und man darf den Link wirklich nur einzelnen Personen aus dem engeren Freundes- und Familienkreis schicken, etwa per E-Mail.

Filehoster selbst bieten nur Speicherplatz an und kümmern sich nicht darum, wie die Dateien gefunden werden. Diese Lücke füllen unzählige Linksammlungen, Foren oder Suchmaschinen, die sich darauf spezialisiert haben, die Rapidshare- (oder Megaupload- oder Netload-) Links zu veröffentlichen oder systematisch nach bestimmten Schlagwörtern zu durchsuchen. Denn ohne den richtigen Link gibt es keine Datei. 

Veröffentlicht man einen Rapidshare-Link zu Dateien, die urheberrechtlich geschützt sind und für die man nicht selbst die Nutzungsrechte hat, auf öffentlich zugänglichen Webseiten wie Foren oder Weblogs, dann handelt es sich um eine „öffentliche Zugänglichmachung“. Hierfür braucht man eine Genehmigung (Lizenz) vom Rechteinhaber, die man natürlich bei Disney-Filmen oder Madonna-Stücken nicht hat.

Download

Auch beim Download von urheberrechtlich geschütztem Material muss man aufpassen, dass man keine Urheberrechte verletzt. Im Prinzip gilt hier zwar auch die Privatkopieschranke, nach der man sich einzelne Kopien von geschützten Werken für den rein privaten Gebrauch machen darf. Ist es allerdings offensichtlich erkennbar, dass die Datei nicht hätte hochgeladen werden dürfen, dann ist auch das Herunterladen verboten.

Offensichtlich rechtswidrig online gestellt ist eine Datei nur, wenn es für jeden Nutzer ohne weiteres erkennbar ist, dass der Uploader nicht das Recht hatte, sie online zu stellen. Man wird in den meisten Fällen davon ausgehen können, dass die eigentlichen Rechteinhaber von Filmen oder Fernsehserien ihre Inhalte nicht auf Rapidshare oder Megaupload zur Verfügung stellen oder es anderen erlauben, diese hierüber zu verbreiten. In diesen Fällen darf man die Dateien auch nicht herunterladen.

Das gleiche gilt auch für Dienste wie „Usenext“, für die auf Filenhoster-Seiten oft Werbung gemacht wird. Usenext bietet einen Zugang zu dem etwas in Vergessenheit geratenen Internet-Dienst Usenet, das Diskussionsgruppen („Newsgroups“) zu vielen verschiedenen Themen anbietet. Im Usenet gibt es Gruppen, in denen Binärdateien, also Programme, Bilder und Filme, gepostet werden. Wenn es sich dabei um Dateien von „kommerziellen“ Filmen oder Musik handelt, muss man – genauso wie auf Filehostern – in der Regel davon ausgehen, dass das Veröffentlichen und Herunterladen nicht erlaubt ist.

Urteile zu Filehostern
 
Die Verfahren, die seit einiger Zeit von der Rechteindustrie gegen Filehoster angestrengt werden, rücken Filehoster in den Augen vieler Leute in ein zweifelhaftes Licht, obwohl die Dienstleistung, die sie bieten, an sich nützlich und nicht von vorneherein illegal ist.

Dadurch dass Rapidshare und die anderen Filehoster aber in Bezug auf die Speicherung der Nutzerdaten relativ anonym arbeiten, sind sie der Musik- und Filmindustrie ein Dorn im Auge. Anders als bei Tauschbörsen (bei denen die IP-Adressen des jeweiligen Online-Zugangs und damit die dahinter stehenden Personen leicht ermittelbar sind), werden bei Filehostern nur wenige bis gar keine Dateien der Nutzer gespeichert. Diese werden darüber hinaus nur bei rechtlicher Grundlage an externe Stellen weitergegeben.

Somit sind die Nutzer von Filehostern weitgehend anonym und können nur schwer zurückverfolgt werden. Die Rechteinhaber sind der Ansicht, dass Filehoster so den illegalen Austausch von urheberrechtlich geschützten Daten fördern.

Tauschbörsen sind dezentral aufgebaut. Da es hier keinen Serverbetreiber und damit keinen Anbieter gibt, kann man nur gegen die Nutzer selbst vorgehen. Bei Filehosting-Diensten ist das genau umgekehrt: Die Nutzer bleiben anonym, aber die Anbieter sind – wie bei jeder Website – bekannt. Daher geht die Strategie der Rechteinhaber dahin, dass sie die Betreiber zu einer schärferen Kontrolle des Materials, das hochgeladen wird, verpflichten wollen.

Die Betreiber argumentieren damit, dass Filehoster nur eine Dienstleistung anbieten, was die Nutzer damit machen, sei nicht ihre Sache. Das sei vergleichbar mit Telefongesellschaften, die nicht dafür verantwortlich gemacht werden können, wenn per Telefon kriminelle Handlungen organisiert werden.

Rapidshare etwa hat in verschiedenen Stellungnahmen erklärt, dass es technisch nicht machbar sei, alle Dateien, die von den Nutzern hochgeladen werden, vorsorglich zu prüfen, jedenfalls nicht unter einem verhältnismäßigen Aufwand. Wenn ihnen allerdings gemeldet wird, dass eine bestimmte Datei urheberrechtlich geschütztes Material enthält, werde sie so schnell wie möglich entfernt.

Ebenso argumentiert Megaupload in der Stellungnahme zu der Schließung des Dienstes und der Verhaftung der Geschäftsführung, während die Anklageschrift von absichtlichen Urheberrechtsverletzungen und krimineller Verschwörung spricht.

Widersprüchliche Gerichtsurteile

Die Vertreter der Rechteinhaber dagegen sehen durch Rapidshare ihre Rechte und finanziellen Interessen verletzt. Das Geschäftsmodell von Filehostern beruht ihrer Meinung nach darauf, dass illegal urheberrechtlich geschützte Werke angeboten werden. Sie finden, dass man ihnen nicht zumuten kann, dass sie täglich unter hohem Personalaufwand im Netz nach „ihren“ Dateien suchen, um sie dann zu melden.

Filehoster sind dieser Meinung nach für das Material, was auf ihre Server hochgeladen wird, verantwortlich. Wenn sie Urheberrechtsverstöße nicht schon im Vorfeld unmöglich machen, dann würde ihr Geschäftsmodell auf illegalen Praktiken beruhen.

Die Urteile vor deutschen Gerichten, die bisher zu dem Thema gefallen sind, sind unterschiedlich. So urteilte das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg im September 2009, dass Rapidshare zwar nicht als Täter für die Verletzungen des Urheberrechts verantwortlich ist, aber für die Nutzer haftet und verpflichtet ist zu verhindern, dass geschützte Dateien hochgeladen werden können.

Ein halbes Jahr später dagegen urteilte das OLG Düsseldorf, dass es der Firma nicht zuzumuten ist, weitergehende, manuelle Kontrollen der Daten durchzuführen, da ihr Geschäftsmodell auf der Vertraulichkeit der hochgeladenen Daten beruhe. Die verschiedenen Urteile sind nicht abschließend, da es sich immer um einzelne Verfahren wegen einstweiliger Verfügungen von Film- und Plattenfirmen handelte. Es ist schon jetzt abzusehen, dass Rapidshare und Co. die Gerichte noch eine Weile beschäftigen wird.

Fazit

Filehoster sind zwar keine Tauschbörsen, aber man kann auch hier kommerzielle Filme, Musik und Computerspiele finden. Wie bei Tauschbörsen, ist der Download und vor allem der Upload rechtlich gesehen in diesen Fällen in aller Regel nicht erlaubt.

Das bedeutet aber nicht, dass der Dienst an sich illegal ist, sondern nur dass man aufpassen muss, was man hoch- und runterlädt. Bleibt man bei Material, für das die Urheberrechte geklärt sind – sei es, weil es eigenes Material ist, oder weil die Rechteinhaber eine Verbreitung erlaubt haben – oder nutzt Filehoster zum rein privaten Gebrauch, ist man meist auf der sicheren Seite.


01.02.2012 Valie Djordjevic
Quellenangabe